Was das Thema Abnehmen und Diäten angeht, bin ich mittlerweile fast
ein Profi – was nicht heißt, dass ich letztendlich sehr erfolgreich
darin war.
Ich war schon als Kind ziemlich pummelig und wurde deshalb auch nicht
selten gehänselt oder habe einen doofen Spruch zu hören bekommen. Mit
der Zeit hat das ziemlich an meinem Selbstwertgefühl gekratzt, was mir
einige harte Zeiten in meinem Leben bescherte. Ich hatte akzeptiert,
dass ich dick war und empfand es als gerecht, dass es mir oft schlecht
ging und ich mich einsam fühlte.
Der Wendepunkt kam am 17.12.2009, als ich meinen – bis heute, toi,
toi, toi – Freund kennen lernte und zum ersten Mal das Gefühl hatte,
dass ich auch jemand war, egal wie viel ich wog.
Ende 2012 schlug ich dann ein ganz neues Kapitel auf: Nachdem ich
jahrelang hoffnungslos den Glimmstängeln verfallen war, beschloss ich
eines Tages, dass ich eigentlich mal damit aufhören könnte. Angefangen
hat eigentlich alles, dass ich überlegte, ein paar Pfunde loszuwerden
und anfing, ein wenig joggen zu gehen. Ich merkte aber schnell, dass
meine Raucherlunge nicht ganz so begeistert davon war und spürte zum
ersten Mal bewusst, wie viel Schaden das Rauchen meinem Körper
eigentlich schon zugefügt hatte.
Ich beschloss, damit aufzuhören und da es allgemein bekannt ist, dass
man dabei oft zunimmt, habe ich mein Sportprogramm fortgeführt und auch
an ein paar Schrauben meiner Ernährung gedreht und ein Diätkonzept
verfolgt: Leichter leben in Deutschland, kurz LLID. Damit bin ich
eigentlich auch gut voran gekommen, doch irgendwann konnte ich den
ganzen wunderbaren Dingen nicht mehr widerstehen, die ich mir verwehrte.
Nachdem ich ungefähr 10kg abgenommen hatte, ging das Abnehmen nicht
mehr wirklich voran und meine Motivation schwand. Ich hatte
Selbstzweifel und fühlte mich schuldig, so wurde ich ein wenig
nachlässig, was meine Ernährung anging. Ich gönnte mir übermäßig viele
von den verbotenen Dingen und fühlte mich nach und nach immer
schuldiger.
Zwischendurch hat sich auch an meiner beruflichen Situation einiges
geändert, was mich ebenfalls ziemlich belastete und was prompt mit essen
kompensiert wurde. Trotzdem hielt ich an meiner Obsession fest, endlich
dünn zu sein.
Eine chronologische Aufreihung der verschiedenen Diäten und
Ernährungstricks die ich von da an bis heute probiert habe, kann ich
nicht liefern, aber es war eine ziemliche Vielfalt. Low Carb, Low Fat,
LCHF, bis hin zu Atkins, Schlank im Schlaf, 3 Mahlzeiten, 6 Mahlzeiten, Kalorien zählen, um
nur einiges zu nennen.
Ich habe mich so reingesteigert, dass ich an
nichts anderes mehr denken konnte, ohne dass sich auf der Waage etwas
wirklich bemerkenswertes getan hätte. Nebenbei habe ich viel Sport
gemacht, joggen, 30 Day Shred, Body Revolution (beides Fitnessprogramm
für zuhause von Jillian Michaels), letzteres 6 Tage die Woche. Mein Kopf
war ständig voll mit Gedanken an Nährwerte, Kalorien, Tageszeiten,
Lebensmittel, Workouts, verbotene Lebensmittel, die nächste Diät, die endlich
helfen würde…
Immer wenn ich einige kleine Erfolge auf der Waage verbuchen konnte,
hielt das nicht lange an, mein Wille schien mit jeder weiteren Diät
einfach kleiner zu werden. Um nichts in der Welt aber wollte ich
aufgeben, ich wollte doch endlich schlank sein, schlank und trainiert.
Ein großes Problem hierbei war, dass ich – wenn ich mir “ausnahmsweise”
mal etwas gönnte – mich so schuldig fühlte, dass ich regelrechte
Fressattacken bekam und alles in mich hineinstopfte, was ich finden
konnte. Wenn ich nichts mehr fand, suchte ich nach etwas. Es war mir nie
bewusst, aber diese Attacken waren ziemlich häufig und wohl auch ein
bedeutender Grund, warum nichts voran ging.
Dieses Verhalten zog sich wie ein roter Faden durch die letzten Jahre und auch wenn ich hier und da einige Kilos abnahm, so waren sie nicht zuletzt wegen ursprünglich einer "Ausnahme" und der daraus resultierenden Disziplinlosigkeit wieder drauf.
Schwierigkeiten und Turbulenzen während meiner Ausbildung und auch im privaten Umfeld, haben mich immer wieder den Fokus verlieren lassen. Mittlerweile bin ich ganz glücklich, wie mein Leben momentan läuft (natürlich hoffe ich, dass es diesmal auch so bleibt), deshalb ist die Lage gerade günstig, um - hoffentlich zum letzten Mal - voll durchzustarten.
2018 wird mein Jahr.
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